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Angekommen – aber wo?

Carsten Linnemann, Stellvertreter von CDU-Chef Merz, hat dieser Tage eine immer schon sehr beliebte Art des vergifteten Lobes für Konkurrenten platziert: Man könne in NRW mit den Grünen koalieren, weil diese jetzt „in der Realität angekommen“ seien, stellte Linnemann fest. Mit dieser oft gehörten Polit-Floskel wird über den „Gelobten“ allerhand ausgesagt, vor allem, dass er sich bisher in der Irrealität aufgehalten hat. 

Gleichzeitig – und das ist hochproblematisch – wird mit solchen Reden die eigene Weltsicht zur einzig maßgeblichen „Realität“ erhoben. Im Fall der CDU ist das bemerkenswert: Nicht nur die Versorgung mit billigen fossilen Brennstoffen unter Inkaufnahme vielfältiger Abhängigkeiten, sondern auch die langjährige Verharmlosung der Klimagefahr und insbesondere die andauernde und nahezu sakrale Überhöhung des materiellen Wachstumszieles gehören zu dieser Weltsicht der Merz-Linnemann-Söder-Union. Das ist aber nicht „die Realität“, sondern eine hochproblematische, von Teilinteressen abgeleitete Position. Man kann die Grünen nur herzlich bitten, dort nicht anzukommen…

Erkenntnistheoretisches Grübeln soll hier nicht auf die Spitze getrieben werden, aber es dürfte mittlerweile bekannt und anerkannt sein, dass „die Realität“ extrem schwierig zu definieren ist. Linnemann ist ein erklärter Vertreter von ökonomischen Interessen der Arbeitgeberseite. Es ist sein gutes Recht, die Welt aus dem ökonomischen Blickwinkel zu sehen und ökologische Fragen an den Rand zu schieben. Er hat aber kein Recht, seine interessengeleitete Sicht einfach schnell mal zu der für alle verbindlichen „Realität“ zu ernennen…

Autor/in:
Bernhard G. Suttner
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