Sarkozy hat den Anbau der
Sorte Mon810 im Dezember
gestoppt. Er trug ernsten
Bedenken im Bericht einer
Expertenkommission Rechnung.
Darin heißt es, die
Verbreitung gentechnisch
veränderter Organismen könne
mehr als 100 Kilometer
betragen. Zudem sei die
Genveränderung nicht nur
gegen Parasiten wirksam, die
bisher den Mais befallen,
sondern gefährde auch andere
Organismen und Lebewesen.
Seehofer hatte den Anbau von
Mon810 zunächst unterbunden,
dann aber gab er ihn –
rechtzeitig zur Anbausaison
2008 – wieder frei, obwohl
die Umweltrisiken die
gleichen blieben. Jetzt
folgt das veränderte
Gentechnikgesetz. Es soll
dem Anbau genmanipulierter
Pflanzen Grenzen setzen. In
Wirklichkeit setzt es erst
die Rahmenbedingungen, die
die Gentechnikindustrie
braucht, um abschätzen zu
können, ob sie auch Europas
Bauern an ihr patentiertes
Saatgut binden kann wie in
den USA und Argentinien, wo
fast nur noch Gen-Soja
wächst.
Horst Seehofer hat auf die
Situation reagiert, wie wir
das von ihm kennen. Er
wollte es allen Recht
machen. Sein Zickzackkurs
schlägt sich in
widersprüchlichen Regelungen
des Gesetzes nieder. So
werden erstmals
Sicherheitsabstände zu
Feldern mit konventionellem
und Öko-Anbau
festgeschrieben. Die aber
nicht zwingend sind, wenn
sich der Gentechnik-Bauer
mit seinem Nachbarn darauf
einigt, dass es keiner
Schutzmaßnahmen gegen
Verunreinigung bedarf.
Landwirte,
die
weiterhin
gentechnikfrei
wirtschaften
wollen,
werden
es
künftig
schwerer
haben.
Je
dichter
der
Flickerlteppich
aus
Gen-Äckern
wird,
desto
schneller
werden
sich
die
Pflanzen
vermischen.
Welche
Auswirkungen
das
auf
das
Ökosystem
und
unsere
Lebensmittel
hat,
auf
Bienen
und
Honig
beispielsweise,
ist
noch
weitgehend
unerforscht.
Die Große Koalition hat – wie bei den Energiepreisen – dem Verbraucherschutz keine große Bedeutung beigemessen. Resignieren müssen wir dennoch nicht. Landwirte können gentechnikfreie Regionen gründen, wie in der Rhön bereits geschehen. Verbraucher sollten sich nicht scheuen, den Konzernen die Rote Karte zu zeigen, indem sie künftig nach Produkten mit der Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ fragen. Das neue Label ist auch nach Meinung fast aller Kritiker Seehofers ein Fortschritt. Während die Verbraucher bei Milch, Fleisch und Eiern bisher im Dunkeln tappten, ob die Tiere gentechnisch verändertes Futter bekommen hatten, wird die neue Kennzeichnung endlich für Klarheit sorgen. Gut so, denn wir deutschen Konsumenten sind anspruchsvolle Wesen – wenn auch nicht immer in gleichem Maße wie die Landsleute von Nicolas Sarkozy.
Von Tilman Toepfer