© Mainpost 17.01.2008

Klare Absage an jede Gentechnik

Percy Schmeiser aus Kanada berichtete von bitteren Erfahrungen als Landwirt

    Wo Percy Schmeiser, der Farmer aus Kanada und Träger des Alternativen Nobelpreises, des „Right Livelihood Awards“, auf seiner Deutschlandtour hinkommt, füllt er die Säle. So auch am Montagabend den Pfarrsaal in Arnstein, in dem über 350 Besucher den Gentechnik-Kritiker erwarteten. Gemeinsame Veranstalter waren die Kreisverbände des Bunds Naturschutz Main-Spessart, Schweinfurt und Kitzingen.
Die Geschichte, die der 77 Jahre alte Kanadier mit deutschen Wurzeln erzählte, begann Mitte der 90-er Jahre. Während er auf seinen Feldern beim herkömmlichen Raps blieb, bauten einige seiner Nachbarn gentechnisch veränderte Pflanzen an. Von deren Fahrzeugen beim Abtransport gefallenes Erntegut keimte auf seinen Feldern aus. Die Folge: Seine Ernte war zu einem geringen Prozentsatz mit Genpflanzen kontaminiert.Das alleine wäre schon ärgerlich, doch der eigentliche Skandal kam erst. Der weltweit agierende Chemie- und Saatgutriese „Monsanto“ unterstellte dem Farmer, das Saatgut des Konzerns illegal anzubauen und damit dessen Patentrecht zu verletzten. Schmeiser wurde ein Vergleich angeboten: Monsanto wollte auf Schadenersatzzahlungen verzichten, wenn der Bauer in Zukunft das gentechnisch veränderte Saatgut kaufe, für alle Zukunft auf Schadensersatzansprüche verzichte und nie öffentlich über diesen Deal rede.Da die Familie nicht akzeptierte, kam es zur Klage am kanadischen Bundesgericht, die der Farmer verlor. Erst 2004 sprach ihn der Oberste Gerichtshof von Schadenersatzansprüchen frei, bestätigte aber die Patent- und Rechtsansprüche von Monsanto. Danach hat der Konzern das Patentrecht für alle Pflanzen, die das entwickelte Gen tragen, selbst wenn dieses unbeabsichtigt oder unrechtmäßig in diese Pflanzen gelangt ist.

Der alternative Nobelpreisträger Percy Schmeiser (links) referierte, unterstützt von Dolmetscher und dem BN-Kreisvorsitzenden Main-Spessart, Erich Perchermeier, zum Thema Gentechnik in Arnstein.                                Foto: FOTO Günter Roth

Diese Praktiken würden, so Schmeiser, auf der ganzen Welt inzwischen tausendfach betrieben, auch von anderen Saatgutherstellern. Auf diese Weise werde den Bauern das Recht genommen, Saatgut nachzubauen oder selbst gezüchtetes zu verwenden. Stattdessen würden die Landwirte in eine totale Abhängigkeit gezwungen, da das erworbene Saatgut oft nur mit speziellem Dünger oder Pflanzenschutzmitteln zu verwenden sei. Diese stammten dann auch aus dem selben Haus.
„Ich will meinen fünf Kindern, 15 Enkeln und meinem Urenkel keine vergiftete Welt hinterlassen. Ich will, dass es keine Patente auf Lebewesen geben darf und ich will das Recht eines jeden Bauern stärken, sein eigenes Saatgut verwenden zu dürfen!“ So lauten die drei wichtigsten Botschaften von Percy Schmeiser. Seit er den Kampf mit den Saatgut-Riesen aufgenommen hat, ist der „Farmer-Zwerg“ verstärkt in die Öffentlichkeit gegangen und hat auf allen Kontinenten für seine Ideen gekämpft. Dafür wurde ihm 2007 der international renommierte „Right Livelihood Award“ verliehen, der Alternative Nobelpreis.
Auch in Europa und in Deutschland sei die Gefahr durch Gen veränderte Pflanzen sehr groß, meinte die Leitfigur der Anti-Gentech-Bewegung. Zwar sei hierzulande bislang nur der so genannte „Gen-Mais“ im Anbau, der nicht für die Nahrungsmittelproduktion zugelassen sei, doch allein dadurch sei auch hier die „Büchse der Pandora“ bereits geöffnet. Die Beschwichtigungen, jeder Landwirt könne selbst zwischen konventionellem oder Gen-Pflanzenanbau entscheiden, hält Schmeiser für glatten Betrug. „Es gibt keine Koexistenz, denn wer stoppt den Wind, die Bienen und die Vögel?“, fragte er.
In der Diskussion wurde weitgehend unisono jede Art von Gentechnik in der Landwirtschaft abgelehnt. Es wurde vorgeschlagen, auf Landwirte und Politiker einzuwirken, aber auch gezielt die Macht als Verbraucher zu nutzen und grundsätzlich keine Gen-Produkte zu kaufen.
 

Heuer in Bayern mehr Genmais

Viele Felder im Landkreis Kitzingen
   In Bayern wird heuer nach Angaben von Umweltschützern trotz neuer Zweifel an der Unbedenklichkeit mehr Genmais angebaut als im Vorjahr. Obwohl Frankreich gerade wegen der unklaren Risiken ein Anbauverbot angekündigt hat, sind im Freistaat 40 Standorte mit einer Gesamtfläche von 114 Hektar für Genmais angemeldet, wie das Umweltinstituts München am Freitag unter Berufung auf das amtliche Standortregister für genveränderte Pflanzen mitteilte. Damit liege Bayern an der Spitze der alten Bundesländer.
Die Genfelder der bayerischen Landwirte befänden sich fast ausschließlich in Unterfranken, vor allem in den Landkreisen Kitzingen und Würzburg. Das Standortregister beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit weist folgende Orte in Unterfranken als geplante Anbauflächen aus: Giebelstadt-Herchsheim, Randersacker-Lindelbach, Bütthard (alle Lkr. Würzburg), Biebelried-Westheim, Mainstockheim, Großlangheim, Willanzheim, Rödelsee, Wiesentheid, Wiesenbronn und Schwarzach (alle Lkr. Kitzingen). Daneben werde der genmanipulierte Mais Mon810 vor allem auf staatlichen Versuchsgütern in Poing, Puch, Manching und Kaishaim angebaut.
Das Umweltinstitut München forderte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) auf, wie Österreich und Frankreich Gen-Mais aus dem Verkehr zu ziehen. Verbraucher und Bauern rief das Umweltinstitut auf, gegen die Anbaupläne zu protestieren.
Der Genmais Mon810 des US-Konzerns Monsanto ist derzeit die einzige in der EU zugelassene genmanipulierte Pflanze. Der Mais produziert durch den Einbau eines Gens selbst ein Insektengift, das den Maiszünsler bekämpfen soll. Die Schmetterlingsart tritt hauptsächlich in Maismonokulturen auf und ist nach Angaben von Experten gut durch die Fruchtfolge zu bekämpfen.

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