| © Mainpost 19.05.2003 | |
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Die ÖDP und die Zauberlehrlinge |
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"Alles neu macht der Mai", weiß der Volksmund. Und so ist es wohl kein Wunder, dass das Volk in Bayern ein Gesetzesvorhaben auf den Weg bringen soll. |
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"Menschenwürde ja, Menschenklonen niemals", diese Aussage
soll nach dem Willen der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Bestandteil
der Bayerischen Verfassung werden. Die Umweltpartei will dies nicht als
Absage an Genforschung verstanden wissen, sondern gegen die verbrauchende
und selektierende (Beispiel: nach Körpermerkmalen auswählende) Forschung
sowie die Forschung an embryonalen Stammzellen. Experimente mit adulten
Stammzellen (ausgewachsenen Zellen) befürwortet man ausdrücklich. Kritiker - allen voran die Landtagsparteien - halten die Verfassung nicht für den richtigen Ort, um Stellung zu ethischen Fragen zur Biotechnologie zu nehmen. Dies umso mehr, als die Festlegung keinen Bestand gegen ein Bundesgesetz hätte. Die Mannen um den ÖDP-Vorsitzenden Bernhard Suttner sehen das anders: "Wir sind überzeugt, dass eine bioethische Debatte in Bayern auf andere Bundesländer und die Bundesebene ausstrahlt," sagt etwa Urban Mangold als Organisator des Volksbegehrens. Er verweist auf den Naturschutz, dem andere Länder nach dem Beispiel Bayerns Verfassungsrang zugestanden hätten. Mangold sieht wie Suttner im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und ethischer Verantwortung positive Effekte darin, "alle bayerischen Politiker, vom Gemeinderat bis zum Ministerpräsidenten, und die verbeamteten Forscher" auf die Verfassung und die Absage ans Klonen einzuschwören. Gerade in Kirchenkreisen findet das Vorhaben große Zustimmung, sagt Raimund Binder, der in Würzburg verantwortlich für die Organisation zeichnet. So auch beim katholischen Dekan, Georg Hirschbrich, aus Bad Kissingen, der künstliche Eingriffe in die Schöpfungsordnung für verwerflich hält. Getragen wird das Projekt unter Federführung der ÖDP von der Katholischen Landvolkbewegung (KLB), Gliederungen von Kolping und Katholischer Arbeitnehmerbewegung, evangelischen Jugendverbänden, der Landjugendbewegung, Pfadfindern und zahlreichen Ärzten. Die Äußerung von CSU-Staatsminister Erwin Huber beim Bezirksparteitag in Niederbayern am Wochenende, die ÖDP gehe in katholischen Kreisen erfolgreich auf "Dummenfang", hat bei der KLB Entsetzen hervorgerufen. Ein Beweis für politische Kultur sei es nicht, wie Huber mit gegensätzlichen Meinungen umgehe, hieß es. Bei den Befürwortern setzt man auf die überparteilich verbreitete Abneigung gegen diesen Weg der Genforschung. "Das ist für mich eine Horrorvorstellung", sagt der Mikrobiologe Dr. Jürgen Balles vom Labor L & S in Großenbrach (Lkr. Bad Kissingen). Er glaubt zwar nicht, dass Experimente zweimal "denselben Menschen zusammendoktern" könnten, aber er habe "ethische Bedenken". Sein Kollege Gero Beckmann glaubt den "Zauberlehrlingen" nicht, mittels Genmanipulation den Krebs besiegen zu können. Auch unter dem Druck haben sich die Landtagsparteien verständigt, den Begriff "Menschenwürde" in die Verfassung aufzunehmen. Dass CSU-Fraktionschef Alois Glück der ÖDP Wahlkampfmanöver vorwirft, drückt aber wohl vor allem die Sorge der CSU um die katholische Wählerschaft aus. Denn der Volksentscheid steht zusammen mit der Landtagswahl am 21. September an. |
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| Von unseren Redaktionsmitgliedern Carolin Kreil und Frank Kupke | |