© Mainpost 14.10.2000

Von Atomkonsens, Zwischenlagern und sonstigen „Errungenschaften“

Schweinfurt. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Bürgerinitiative BA-BI und des ödp Kreisverbandes Schweinfurt im vollbesetzten Saal des Kolpinghauses sprach am Montag abend Prof. Dr. Klaus Buchner (TU München) zum Thema „Von Zwischenlagern, Atomkonsens und sonstigen `Errungenschaften“.

Zu Beginn zitierte Prof. Buchner einen Vertreter der deutschen Atomwirtschaft mit den Worten „Regierungen kommen und gehen, Atomkraft bleibt bestehen“. Tatsächlich sollen nach dem Atomkonsens die letzten deutschen< Atomkraftwerke erst in gut 30 Jahren abgeschaltet werden. Bis dahin finden noch sechs Bundestagswahlen statt und die CDU/CSU hat schon angekündigt, bei einer Regierungsübernahme den „Konsens“ im beiderseitigen Einverständnis aufzulösen, also die AKW's unbefristet weiterlaufen zu lassen. So zeigen die Anträge zur Errichtung Zwischenlager, dass die AKW - Betreiber schon heute für die Zeit nach der Kündigung des Konsensvertrags hinarbeiten.
In dem Vortrag wurde auch über neuere Studien berichtet: Im 5 km - Umkreis um die deutschen Atomkraftwerke leiden Kinder unter 4 Jahren um 53 % häufiger an Krebs, als in anderen vergleichbaren Gebieten. Akute Leukämie tritt sogar um 76% öfter auf. Um Grafenrheinfeld findet man jedoch nicht mehr Fälle von Kinderkrebs als anderswo. Dagegen wurden in der Umgebung von Grafenrheinfeld mehr kindliche Fehlbildungen festgestellt (Grosche-Studie). Die deutschen Atomkraftwerke wären ohne die massiven Subventionen bei der Steuer, der Haftung und bei den Rückstellungen für den Atommüll völlig unrentabel. Jeder, der Lohn- oder Einkommenssteuer zahlt, muss Jahr für Jahr 50 bis 100 Mark für die AKW - Betreiber zahlen, ob er will oder nicht. Diese Subventionen sind jedoch nach dem EU - Wettbewerbsrecht illegal. Deshalb hat > die ödp schon vor einem Jahr in Brüssel dagegen eine Beschwerde eingereicht. Vielleicht ist das der Weg, die Atomkraft in Deutschland und sogar in ganz Europa schon bald zu beenden.
Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um Sicherheitsaspekte beim Zwischenlager. Prof. Buchner kritisierte dabei die zu unsichere Bauweise, die im Falle einer Unterbrechung der Luftzufuhr zum Austritt von Radioaktivität führen könnte.
Seine Alternative: Erst Atomausstieg, dann unterirdische Zwischenlager (30–40 Jahre) und letztendlich nach einer Bearbeitung Endlagerung.

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